Galerie der Dorfschreiber

Monika Littau – Dorfschreiberin 2016

Monika Littau, geboren in Dorsten, studierte Germanistik, Geographie und Musikwissenschaft in Bochum und Münster uIMG_5748nd schloss ihre Ausbildung mit dem 2. Staatsexamen (Gymnasium) ab. Mehr als 20 Jahre war sie in Forschung, Bildung, Kultur/Literaturförderung tätig, zuletzt im Kulturministerium NRW. Parallel arbeitete sie durchgängig als Autorin.
2007, als ihr Sohn auf eigenen Füßen stand, entschloss sie sich, den Nebenberuf endlich zum Hauptberuf zu machen und damit einen Lebenstraum Wirklichkeit werden zu lassen.
Seither arbeitet sie als freie Autorin und Herausgeberin (Lyrik, Prosa, Theaterstück, Hörspiel, Kinderbuch, Sachliteratur). Sie konzipierte und organisiert eine Reihe von Literaturprojekten, seit 2010 bis heute beispielsweise den Lyrik-Wettbewerb postpoetry.NRW .

Für ihre literarischen  Arbeiten wurde sie vielfach mit Stipendien unterstützt und Preisen ausgezeichnet (https://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Littau).

Zuletzt erschienen von ihr u. a.:
der Lyrikband beim überschreiten des taupunkts,
der Biografieroman Vom Sehen und Sagen. Die Buchela,
das Kinderbuch Fritzi findet
und die von ihr herausgegebene Lyikanthologie postpoetry.NRW – Poesiebotschaften aus fünf Jahren

Für ihre Eisenbacher Zeit hatte sie sich vorgenommen, Kinder für Lyrik zu begeistern. Mit der Lichtenbergschule setzte sie das Projekt Poetischer Kinderwanderweg um. Ergebnisse des Projektes können auf dem Blog https://dorfschreiberinmonikalittau.blogspot.de nachgelesen werden.

Im Mittelpunkt ihrer eigenen literarischen Arbeit im Hochschwarzwald standen die Überarbeitung eines Kinderbuchmanuskripts (Freiheit für Amila – Weltreise Sri Lanka für Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahre) und das Schreiben von Gedichten, die in einem neuen Lyrikband erscheinen sollen.

 

Frau Littau in Eisenbach: Bilder und Texte

 


Malte Rudo Güth- Dorfschreiber 2015

Stille 06Er war 22 Jahre alt, noch im Studium (Psychol.), Mitglied eines Amateur-Theaters, hat mehrsprachige Exzellenz-Kompetenz und schon Literatur-Preise gewonnen. Er hatte sich beworben mit einem Text-Auszug aus seinem geplanten Roman „Tal der Trolle“ um einen Einsiedler namens Hakon aus dem norwegischen Kulturraum. Dargestellt wird darin der Konflikt zwischen Einsamkeits-Sehnsucht und attraktiver Gefahr durch Zuneigung.

In Eisen­bach wollte er Anstoß geben zu einer „Anthologie der Stille“. Begleitet von einer Vorher-Nachher-Befragung waren die Teilneh­mer aufgefordert, im Rahmen einer ‚Stilleübung‘ aus ihrem Alltag herauszutreten, in Waldes-Einsamkeit ohne menschlichen Kon­takt für einen Tag. Ihren Abschluss fand die Stilleübung mit der Vorstellung der Teilnehmereindrücke – wie sich zeigte: spannende Erfahrungen.

 


Merle Hilbk –  Dorfschreiberin 2014

DS 2014 HilbkAls geborene Düsseldorferin hat Frau Hilbk nach einem Jurastudium mit einem Volontariat bei der Badischen Zeitung in Freiburg den Weg zur Journalistin gefunden. Sie war Redakteurin beim „Spiegel“ und bei „Die Zeit“ in Hamburg. Mit einem Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung arbeitete sie als Journalistin in Sibirien. Sie war Gastreporterin bei einer chinesischen Parteizeitung. In Entwicklungshilfe-Projekten in Zentral-Asien hat sie ebenso gearbeitet wie als Wahlbeobachterin und „International Crisis Manager“. Heute lebt Frau Hilbk in Berlin als freie Journalistin und Buchautorin mit den Interessensgebieten Kulturgeschichte, gesellschaftliche Transformationen und Russland/Osteuropa. Sie ist Dozentin an der „Hamburg Media School“. Von März bis Mai 2014 wirkte Frau Hilbk als Dorfschreiberin in Eisenbach.

Bücher der Autorin Merle Hilbk Sibirski Punk:

  • Eine Reise in das Herz des wilden Ostens
  • Die Chaussee der Enthusiasten
  • Tschernobyl Baby

 


Heike  Hoop –  Dorfschreiberin 2013

 

Lebt in Hamburg DS 2013 Hoop
Lehramt Deutsch und Kunst
Autorin, Singer/ Songwriter, Illustratorin, Märchenerzählerin u.a.
viele und weite Reisen
2011 und 2012 Gedichtveröffentlichungen in Anthologien
2012 erste CD, veröffentlicht im Musikverlag Kiesewetter, Hamburg
Mitglied im Schriftstellerverband (VS)
Dorfschreiber-Stipendium 2013 in Eisenbach
Februar 2013 erscheint „Rumis Reise – eine Fabel vom Finden“ – für Kinder und Erwachsene im Verlag Monsenstein & Vannerdat, edition octopus

„Ich bin offen für jeden Menschen“

Ein BZ-INTERVIEW mit der Dorfschreiberin 2013 Heike Hoop unter diesem Titel finden Sie mit einem Klick auf das BZ-Logo
BZ Logo


Joanna Maxellon – Dorfschreiberin 2012

1969 geboren in Ruda Slaska/Polenmaxellonswkl
1984 Abschluss im Lyzeum Plastyczne für Künstlerisch Begabte/Krakau
1985 Studium Klassische Literatur, Philosophie, Orientalistik an der Jagellonian Universität Krakau
1991 Magister (MA) Philologie
1995 Studium Kunstakademie (Klassen Herpich und Hörl), gleichzeitig Kommunikationsdesign /AV Medien /Film Fachhochschule für Gestaltung in Nürnberg
1998/99 Studium Medienkunst/ Film am ZKM und an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

Die wichtigsten Stipendien und Auszeichnungen:

1993 Stipendium der United Nations / UNO Fotoreportage in Bosnien
1998 Stipendium des Bayerischen Kultusministeriums am ZKM und an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung/Karlsruhe
2009 Autorenstipendium der Stadt Nürnberg

Zahlreiche Kunst- und Förderpreise, sowie Teilnahme an internationalen Filmfestivals/Competitions, an Ausstellungen, öffentlichen Arbeiten und Projektionen im öffentlichen Raum


Birgit Maiwald – Dorfschreiberin 2011

DS 2011 Maiwaldgeboren 1979 in Ansbach, freie Drehbuchautorin, lebt in Berlin, erste  Erfahrungen als Drehbuchautorin während ihres Studiums der Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim. Als Co-Autorin ihres Lehrers Felix Huby schrieb sie für TATORT und GROßSTADTREVIER. Von 2007 bis 2010 studierte sie in der Drehbuchklasse der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Im Sommer 2011 war sie Dorfschreiberin in Eisenbach/Hochschwarzwald. Der dreimonatige Aufenthalt war verbunden mit einem Stipendium.

Birgit Maiwald drehte mit Eisenbacher Kindern einen Film:
DIE RACHE – viele Kinder und 1 Hund – ein glückliches Projekt!

Im Mai begannen die Dreharbeiten in Eisenbach für den Kurzfilm „Die Rache“.
Eisenbacher Kinder aus der Medien-AG der Lichtenbergschule, auch einige vom Neustädter Gymnasium, hatten sich gemeinsam eine spannende Geschichte ausgedacht, Profi-Frau Birgit Maiwald fasste diese Geschichte in ein Drehbuchscript. Die Kinder waren Ideengeber und auch natürlich Schauspieler, Techniker, Regie-Assistenten, Tonmeister oder Requisiteure. Dann wurde geprobt, wortreich gemeinsam über die Besetzung der Rollen beraten und entschieden. Jonas Rothlaender, Regisseur und bei dieser Filmproduktion ständiger Berater, war zuständig für den technischen Teil des Films.

Sie sind neugierig geworden und wollen das Werk anschauen? Klicken Sie hier!

 


Deniz Utlu –  Dorfschreiber 2010

Der Besuch in den schwarzen Wäldern DS 2010 Utlu

… die Kränze stilleuchtender Funken / Die Nacht um die schattige Stirne flicht (Brentano)

Die Idyllenmär und die Schwarzwälderkirschlüge hatten mich nie beeindruckt. So war ich nicht enttäuscht, sondern atmete auf, als man mir erzählte, dass die Schwarzwälder Kirschtorte die Erfindung eines pfiffigen Gastronomen gewesen sei und mit lokaler Tradition wenig zu tun habe. Auch, dass die Idylle, wenn überhaupt nur inszeniert existierte, gefiel mir: z.B. am Titisee.

In Eisenbach wurde gearbeitet: In großen Fabrikhallen multinationaler eisenbacher Unternehmen laufen die Maschinen vierundzwanzig Stunden am Tag. Und das nicht, um Harmonie zu produzieren, sondern um Zahnräder. Wie überall sonst,  muss auch hier das Täglichbrot erwirtschaftet werden. Wie überall gibt es auch hier Konflikte. Und vielleicht haben die Schwarzwälder deshalb seiner Zeit Kuckuksuhren mit schweren Pendeln gebaut, damit die Welt zu hören bekommt, dass kein Wald dicht genug ist, um den Klang des Stundenschlags zu dämpfen und dass der Stundenschlag in den schwarzen Wäldern auf dem höchsten Hügel und im tiefsten Tal genauso schön, genauso bitter, genauso ehrlich von der Unwiderrufbarkeit jedes erlebten Augenblicks kündet wie überall anders auch. Man kann nur im Gegensatz seiner Zeit stehen, nicht außerhalb.

Dass des Nachts alle Geräusche verstummen – allein der Wind saust noch – und der Himmel sich Stern für Stern zusammensetzt, ist nicht idyllisch, sondern schön.

An einem Sonntag im April (2010) wurde ich in der so genannten Wolfwinkelhalle in Eisenbach begrüßt. Vor zahlreichen Gästen las ich die Kurzgeschichte „Du Hund“ und den Essay „Ins Herz“ (siehe unter http://www.freitext.com/index.php?heft=15&text=es1) vor. Als es beim Publikumsgespräch ums Hochdeutsch und die Mundarten ging, fragte man mich, ob ich besorgt sei, den Dialekt vor Ort vielleicht nicht zu verstehen, da rief ein älterer Herr dazwischen: „Wer sagt denn, dass wir hier Dialekt sprechen und die Hochdeutsch? Es ist umgekehrt: Wir sprechen Hochdeutsch, alle anderen Dialekt.“

Auf den folgenden Lesungen in Eisenbach oder in Neustadt schaffte es das Publikum immer wieder, mich mit solchen Wortbeiträgen zu überraschen. Auch meine Überraschungsversuche blieben, so glaube ich,  nicht ganz erfolglos. Beispielsweise als bei der Lesung in der Buchhandlung im Roten Haus in Neustadt ein junger Mann im Publikum scheinbar unerwartet anfing zu beatboxen: Ein ganzes Orchester spielte aus seinem Mund.

Ich lernte Menschen kennen, die mir Einblick in ihren Alltag gewährten und viele, die Einblick in meine Lebens- und Arbeitsweise wünschten. Einige Gesichter sah ich bei jeder Lesung wieder, sodass bald ein familiäres Gefühl aufkam.

Eine Erfahrung besonderer Herzlichkeit ergab sich aus der Begegnung mit Jugendlichen in der Lichtenbergschule in Eisenbach und im Jugendbüro in Neustadt.

An der Lichtenbergschule habe ich mit Texten aus dem Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, das ich herausgebe, eine Unterrichtseinheit gestaltet – die Texte der Schüler werden im Oktober in freitext, Heft 16, veröffentlicht. Die Jugendlichen – mit ihrer Offenheit und Hingabe – machten mir, der ich gekommen war, sie zu ermutigen, Mut.

An einem heißen Tag in Neustadt haben wir versucht uns Augusto Boals Konzept des Theaters der Unterdrückten spielerisch zu nähern. Boal war ein brasilianischer Regisseur, der Theater als eine Methode sah, angelernte, internalisierte Unterdrückungen abzubauen. Am Ende waren wir alle – die Jugendlichen und auch ich – gleichermaßen erschöpft. Doch in der Müdigkeit noch machte sich ein Gefühl von Freiheit breit – Boal hatte nicht zuviel versprochen.

Diese Stimmungen bei Veranstaltungen und in Begegnungen nehme ich mit. Und auch die Stille des Waldes (wie ich erst lernte sie zu ertragen und dann sie zu genießen) nehme ich mit. Zurück in die Städte.

Waldschreiber-Blog: http://waldschreiber.wordpress.com
Veranstaltungsblog: http://tausendwortetief.wordpress.com
Magazin freitext: www.freitext.com
Twitter: http://twitter.com/DenizUtlu

Artikel und Rezensionen zu Deniz Utlu und seinen Aktivitäten in der Zeit als Eisenbacher Dorfschreiber finden Sie hier.

Am 3. Oktober 2010 erhielt unser Dorfschreiber Deniz Utlu, der Dorfschreiber-Stipendiat des Förderkreises Kreatives Eisenbach 2010, den Ulrich-Beer-Förderpreis. Einen ausführlichen Bericht mit Bildern über diese Veranstaltung in der Eisenbacher Wolfwinkelhalle finden Sie hier mit einem Klick!

 


Barbara Bollwahn –  Dorfschreiberin 2009

Wunderfitzig im Hochschwarzwald DS 2009 Bollwahn

Am Anfang war ich neugierig, sehr neugierig. Ein Dorfschreiberstipendium im Hochschwarzwald. Was ist das denn? Nach einem Blick ins Internet, wo Eisenbach liegt, bewarb ich mich sofort. Da wollte ich hin! Angst, die Großstadt zu vermissen, hatte ich nicht. Im Gegenteil. Es war gerade die Aussicht auf das so ganz andere Landleben, das mich reizte. Umso mehr freute ich mich, als der Verein „Kreatives Eisenbach“ mich zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch einlud. Nachdem ich das schöne rustikale Schwarzwaldhäusle auf dem Beierleshof in Schollach gesehen hatte, konnte ich es kaum erwarten, die Dorfschreiberstelle anzutreten.

Im Gepäck war das Exposé für den nächsten Jugendroman, eine Adoptionsgeschichte, die in den Schwarzwald führt. Im Kopf waren eine Reihe von Ideen, was ich außerdem machen wollte in Eisenbach und Umgebung, damit die Leute merken, he, da ist jemand von außerhalb, aus Berlin, aus der Hauptstadt. Es war ein glücklicher Zufall, dass mein Aufenthalt im Sommer 2009 in das Jubiläumsjahr „20 Jahre Mauerfall“ fiel. So habe ich eine Reihe von Lesungen aus meinem Ost-West-Jugendroman „Der Klassenfeind und ich“ gemacht und saß als gebürtige Sächsin, die 25 Jahre ihres Lebens in der DDR verbracht hat, als Zeitzeugin vor Schülerinnen und Schülern, die oftmals dachten, der Klassenfeind müsse ihr Lehrer gemeint sein.

Das Dorfschreiberstipendium bietet viele Möglichkeiten, sich auszutoben. An der Schule in Eisenbach habe ich in einer Schreibwerkstatt mit Zweit- und Drittklässlern Geschichten geschrieben, die in dem schönen Buch „Geschichten aus dem schwarzen Wald“ erschienen sind. In einer zweiten Schreibwerkstatt haben sechs Kinder an einem Kindergeschichten-Wettbewerb der Wochenzeitung „Zeit“ mitgemacht. Eine Geschichte gewann sogar den 3. Platz!

Weil die Schwarzwälder den Ruf haben, ihr Herz nicht gerade auf der Zunge zu tragen, sondern eher als zurückhaltend gelten, lag mir umso mehr daran, mit ihnen warm zu werden. Und was soll ich sagen? Wenn man sich für sie interessiert und wunderfitzig ist, so heißt es im Alemannischen für neugierig, dann kann man geradezu sein blaues Wunder erleben. Man kann lernen, Waldhonig, Honig ohne Bienen, zu machen, sich im „Bierhäusle“, der einzigartigen Dorfkneipe mit dem einzigartigen Wirt Guschd, an den Stammtisch hocken oder der Cego-Karten-Runde zuschauen und den Punktestand notieren – „Bischd ja die Dorfschreiberin.“ Man kann den Liedern des Männergesangsvereins „Harmonie“ lauschen, den Musikern des Musikvereins, die Freiwillige Feuerwehr kennenlernen, auf Rehbockjagd gehen, im Stall bei der Geburt eines Kälbchens dabei sein, Kühe melken, den Schweinestall ausmisten und und und. Familie Schuler vom Beierleshof, Klaus und Silvia, ihre Kinder Felix, Ramona und Robin, und Oma Maria, ist mir in den drei Monaten ans Herz gewachsen. Der Kontakt zu ihnen endet auf keinen Fall mit meiner Abreise.

In gewisser Weise steht man in den drei Monaten in Eisenbach unter ständiger Beobachtung – im besten Sinne des Wortes. Die Badische Zeitung und andere regionale Blätter haben regelmäßig über die neue Dorfschreiberin berichtet, ebenso der SWR. Auch das Deutschlandradio hat einen Beitrag gemacht. Es hat Spaß gemacht, den Bekanntheitsgrad vom Hochschwarzwald, von Eisenbach, von Schollach, vom Verein „Kreatives Eisenbach“ zu erhöhen und von den Erfahrungen, die ich gemacht habe, zu berichten.

Im Herbst 2010 erscheint im Thienemann Verlag der Jugendroman, den ich im Schwarzwald begonnen habe. Eisenbach, Schollach, der Schwarzwald, die Menschen werden auf die eine oder andere Art darin vorkommen. Was ich in den drei Monaten in Eisenbach-Schollach erlebt, gesehen und gemacht habe, alles unvergessliche Erfahrungen, ist nachzulesen im Internet in dem Schwarzwaldblog, den ich dort geschrieben habe:

http://eisenbach-dorfschreiberin2009.blogspot.com/

 Barbaras „Krönung“

Aus der Arbeit der Schreibwerkstatt mit den Schulkindern der Lichtenbergschule entstanden lustige, traurige, kuriose, phantasievolle Geschichten, zusammengefasst in einem kleinen, schönen Buch Geschichten aus dem Schwarzen Wald. Das Buch ist über die Lichtenbergschule, Eisenbach, oder die Buchhandlung im Roten Haus, Titisee-Neustadt zum Preis von 7,50 € zu erwerben.

Und noch etwas wurde zur Krönung der Dorfschreiberzeit! Aus 400 Kindern, die sich am Kinderschreib-Wettbewerb der ZEIT beteiligten, erschrieb sich Arne Meister mit seiner Geschichte aus Rumpelbeinia den 3. Platz.

Das ist ein wunderbarer Erfolg für unsere jüngsten „Eisenbacher Autorinnen und Autoren“ und Barbara Bollwahn, die mit viel Einsatz und der ihr eigenen fröhlichen impulsiven Energie die Eisenbacher Kinder zum Schreiben verlockt hat.  Herzlichen Glückwunsch!

 


Marie T. Martin – Dorfschreiberin 2008

Drei bewegte Monate DS 2008 Martin
Marie T. Martin
 

Endlich Einsamkeit und Ruhe, dachte ich, als ich im April 2008 meine Koffer packte, um für drei Monate von Köln nach Eisenbach zu ziehen. Nach Schollach, besser gesagt. Aber damals wusste ich noch nicht, wie wichtig dieser kleine Unterschied ist. Nun ja, die Ruhe. Einen Jugendroman wollte ich schreiben, vielleicht ein wenig spazieren gehen, die Natur genießen – und ja, auch mal in der Schule vorlesen. Meine Freunde planten, mir Care-Pakete schicken, weil ich von der Zivilisation abgeschnitten sein würde, ich dachte darüber nach, wie ich ohne Auto das nächste Kino erreichen würde und ob ich nicht doch vor Einsamkeit eingehen könnte. Und dann kam alles anders.

Zum Schreiben bin ich irgendwie nicht so wirklich gekommen: außer den Texten für die Badische Zeitung natürlich, und den Notizen in meinem Internet-Tagbuch, aus denen später das Bändchen „Lichtnelke“ wurde, das ich bei einem Wiedersehen im November in Neustadt vorstellte. Aber Fotos habe ich Unmengen gemacht. Und ganz viel Spaß gehabt mit den Eisenbacher Jüngsten. Vor allem mit dem Theaterprojekt „Stines Reise“, einem von mir geschriebenen Theaterstück, das richtig lebendig und berührend auf die Bühne gebracht wurde. Um intensiv zu proben, haben wir sogar in der Schule übernachtet. Musik wurde komponiert, ein Bühnenbild gebaut, es gab einen Sing- und einen Sprechchor, und es kam Leben in den Text! Im Lehrerzimmer der Lichtenbergschule habe ich mich richtig zu Hause gefühlt. Auch eine Märchenwerkstatt gab es, bei der die Kinder Eisenbacher Orte und Personen in Märchen eingebaut haben. Die wurden bei der öffentlichen Abschlusspräsentation natürlich vorgelesen. Eine fröhliche Fahrt im Wiesenwägele haben wir gemacht, zusammen gegrillt, ein Geschichtenzelt gebaut und gespielt. Viele herzliche Begegnungen durfte ich erleben, ich wurde zum Essen eingeladen und zitterte während der EM bei witzigen Fußball-Abenden. Ach ja, außerdem nahm ich an einem Lesekreis teil, schwitzte in einer Fitnessgruppe und hockte im Bierhäusle am Stammtisch. Dort habe ich ordentlich zugelangt bei Leberwurstbroten und natürlich beim Schnaps, ich bekam Einblick in eine Eisenbacher Firma, habe versucht, Cego zu lernen, sah beim Melken zu, und bekam selbstgebackenen Kuchen vorbeigebracht. Beim Abschied in der Wolfwinkelhalle vergoss ich natürlich das eine oder andere Tränchen, und der Abschied fiel schwer, zurück in die Großstadt mit ihrer Anonymität und ohne den herrlichen Schwarzwald, ohne die Streifzüge zwischen Moos und Steinen, aus denen die Figur des Mooskönigs hervor gegangen ist, eine märchenhafte Kindergeschichte, die mich immer an drei bewegte Monate im Schwarzwald erinnern wird. Danke Eisenbach!

Sie wollen mehr über unsere Dorfschreiberin 2008, Marie T. Martin, wissen?
Sie wollen in ihrem Eisenbacher Tagebuch lesen?
Sie wollen mit Marie T. Martin in Kontakt treten?
Kein Problem! Klicken Sie hier!

 


Stephan WaldscheidtDorfschreiber 2007

Meine Zeit in den Bäumen DS 2007 Waldscheidt

Den Hochschwarzwäldern wird oftmals unterstellt, sie lebten hinterm Mond. Das ist nicht richtig. In Wahrheit leben sie auf den Bäumen – keineswegs, weil sie dort noch nicht heruntergekommen waren, nein, sondern weil sie weiter sind als die meisten anderen Menschen heutzutage und eingesehen haben: Das Leben auf dem Boden zerstört die Umwelt. Im Hochschwarzwald ist man aus Gründen der Vernunft auf die Bäume zurückgekehrt.

Als ich im Dezember 2006 zum ersten Mal nach Eisenbach fuhr, wusste ich das freilich noch nicht. Statt der für eine Gemeinde mit vier Dörfern üblichen Ansammlung aus Häusern fand ich nichts weiter vor als – vier Bäume. Ich sollte hinzufügen: gewaltige Bäume, in den Himmel hinauf, in den Himmel hinein, über den Himmel hinaus wachsende Tannen.

Mein Vorstellungsgespräch für die Stelle als Dorfschreiber fand dann auch in den unteren Ästen der Schollacher Tanne statt (Schollach ist ein Dorf – respektive ein Baum – der Gemeinde Eisenbach). Ein gemütliches Plätzchen war das, man hockte zusammen inmitten von Nadelduft und mit einer schönen Aussicht bis hinüber ins benachbarte Hammereisenbach.

„Und wo werde ich wohnen?“, fragte ich, nachdem man mir den Posten angetragen hatte.
„Hier, in der Schollacher Tanne“, sagte die Vorsitzende des Vereins Kreatives Eisenbach, der das Stipendium alljährlich vergibt.
„Natürlich ein paar Äste weiter oben“, ergänzte die Schriftführerin.
„Natürlich“, sagte ich, ein wenig verdattert.

So kletterten wir gemeinsam ein Stück weiter, passierten andere Schollacher, die es sich zwischen Zweigen und Zapfen wohnlich gemacht hatten, und erreichten schließlich meinen Wohnast. Ein wenig kühl war es mir schon, aber schließlich herrschte jenseits des schützenden Astwerks Wintertristesse.

„Im Sommer freuen Sie sich über den Schatten“, versicherte man mir.

Dessen hätte es nicht bedurft. Schon die Aussicht nahm mich für Eisenbach ein. Feldberg, Freiburger Münster, der Rhein, die Alpen – mein Blick wurde von nichts weiter als von der Erdkrümmung aufgehalten; so weit ich weiß, sitzt man im Gemeinderat derzeit schon zusammen und berät über eine Abschaffung der Erdkugel und eine Rückkehr zu dem weit praktischeren Erdscheibenmodell. Verständlich, wo doch Aussicht eines der zentralen Marketing-Argumente des Eisenbacher Tourismusverbandes ist.

Man hatte mir nicht zu viel versprochen. Als ich im April hoch zu meinem neuen Domizil kletterte, blendete mich die Sonne aufs Angenehmste. Ich verstaute meine Siebensachen in den großzügigen Astlöchern und machte mich daran, meine ersten Texte in die nachgiebige Rinde zu ritzen.

Nur das mit den Kühen wollte mir nicht einleuchten.

„Das ist kein Problem“, sagte mir mein Gastgeber, ein Schollacher Milchbauer, dem der Ast gehörte, auf dem ich für die nächsten drei Monate wohnen sollte. „Wir haben hier eigens für das Leben in den Bäumen gezüchtetes Vieh. Unsere Kühe klettern wie Eichhörnchen, fressen Tannennadeln und geben die würzigste Milch, die Sie je getrunken haben.“ Freilich befänden sich die Tiere um diese Zeit des Jahres noch in ihren Astlöchern, wo sie die Winter verbringen. Erst wenn die Tannennadeln in vollem Saft stünden, könne man die anspruchsvollen Kühe hinaus in die Zweige lassen. „Sie stellen sich nicht vor, was so eine Baumkuh verdrücken kann.“

Auch mein Appetit gedieh prächtig. Ich kletterte viel in meinen Tagen im Hochschwarzwald, stieg in Bubenbach bis weit hinauf ins Nest eines Spechtehepaars (oder „Hacker“, wie sie diese Vögel dort treffend nennen), sammelte in Eisenbach Zapfen, Käfer, Beeren und das ein oder andere Vogelei für meine Tafel oder genoss die Aussicht, die sich mir nirgends prächtiger bot als in Oberbränd, wo der Blick sich erst in den Schneefeldern der Alpen verlor. Auch so manchen Kauz und das ein oder andere Käuzchen lernte ich kennen. Meine Arme wurden vom Schwingen, vom ewigen Auf und Ab in den Wipfeln kräftiger als die eines professionellen Turners, mein Tritt sicher, mein Blick der eines Adlers.

Am meisten aber behagte es mir, meine Texte direkt ins Holz der Tanne zu kerben – eine durchaus mühsame und langwierige Art, Buchstaben zu Wörtern, Wörter zu Sätzen und Sätze zu Geschichten zu fügen, aber eine Weise, die meinem Erzählen und letztlich mir zugute kam: Wörter und die Dinge, die sie benennen, gewannen mir endlich das Gewicht, das sie verdienen.

Es war eine fruchtbare Zeit, meine Zeit in den Bäumen.

 


Dr. Leopold Rombach  – Dorfschreiber 2006

Ein (Selbst-)Porträt des Künstlers als Mann in den Jahren.DS 2006 Rombach

Leopold Rombach, Dörfler aus Passion, ist Jahrgang 1950 und der Überzeugung, dass viele Probleme sich von alleine erledigten, wenn man sie nicht zu sehr dabei störte und ohnehin gar nicht aufträten, wenn die Leute zuhause in ihren Stuben blieben. Kam über den zweiten Bildungsweg und Studium zur Pädagogik und durch Promotion in derselben wieder von ihr weg.

Erlangte durch dieses Projekt immerhin zwei weitere Überzeugungen: 1. Man kann die Welt nicht verbessern, – es genügt völlig, ihr nicht zu schaden und sie nicht zu langweilen. 2. Die Sprache ist das wunderbarste und schwierigste Produktionsmittel, das es gibt. Wenn man gut hinhört, erfährt man eine Menge über die Motive seiner Mitmenschen. Wenn man versucht, gut zu schreiben, erfährt man eine Menge über sich selbst. Wenn man der Sprache dient, ist einem selbst und dem Publikum gedient und irgendwie doch die Welt etwas verbessert.

Rombach lebt seit vielen Jahren recht und schlecht als Autor, Lehrbeauftragter und Künstler, seit einiger Zeit auch als Porträtfotograf. Dieses Handwerk macht ihn zufrieden und glücklich, denn die Begegnung mit Menschen fasziniert ihn und es gelingt ihm oft, den göttlichen Funken in den Gesichtern zu erahnen und den Menschen einen erfreulichen Spiegel vorzuhalten.

Ab und zu reißt er sich zusammen, schreibt ein verdammt gutes Essay und gewinnt einen Preis damit: 1999 den Essay-Preis der Baden-Württembergischen Landesregierung zum Goethejahr, 2006 den Dorfschreiberpreis Eisenbach.

Zur Zeit müht er sich an einem dicken Romanprojekt ab. Die Geschichte handelt von einigen Dingen, die er liebt: der Liebe, der Philosophie, guten Fotos, alten Autos und bluesigem Jazz. Er schreibt furchtbar langsam und sorgfältig, weil er findet, man habe eine Verantwortung gegenüber der Sprache, dem Leser und dem Papier. Er liest wenig, weil ihm scheint, dass viele Autoren viel besser schreiben als er, und er liest selten zu Ende, weil er viele Autoren gedruckt findet, die einen elenden Mist schreiben. Ansonsten hat er die selben Lieblingsautoren wie viele Autoren, die etwas auf sich halten: Heine und Brecht, Joyce und Celan, Morgenstern und Benjamin. Er liebt Wilhelm Busch und bewundert die Chuzpe von Karl May. Bei den Neueren verehrt er sehr Patrick Süskind, Bernhard Schlink und Sarah Kirsch. Fad finden tut er den Walser, den Stadler, den Genazino. Ansonsten hält er es mit Günter Eich, der gesagt hat, man solle unnütz sein und sich beschränken auf „…weniger Ziele und kleiner, reiskorngroß.“

 – –